Traumatherapie: Hilfe bei anhaltendem inneren Alarm

Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch eine Situation erlebt, die extrem bedrohlich ist und bei der er sich hilflos oder ausgeliefert fühlt. Das Nervensystem schaltet dabei in einen Überlebensmodus (Kampf, Flucht oder Erstarrung). Manchmal kann sich dieser Zustand nach dem Ereignis nicht mehr vollständig zurückregulieren. Dann bleiben Körper und Psyche so, als wäre die Gefahr noch da.

Von einer Traumafolgestörung spricht man, wenn diese Reaktionen länger anhalten und den Alltag beeinträchtigen. Dazu zählen zum Beispiel anhaltende Anspannung, starke Schreckhaftigkeit, Flashbacks, Vermeidung bestimmter Situationen, emotionale Taubheit oder starke Schuld- und Schamgefühle. Die bekannteste Form ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), es gibt aber auch komplexe Traumafolgestörungen, etwa nach langanhaltenden oder frühen Belastungen.

Die Behandlung eines Traumas in der Psychotherapie

In der verhaltenstherapeutischen Traumabehandlung geht es nicht darum, das Trauma „einfach noch einmal zu erzählen“, sondern darum, dem Nervensystem Schritt für Schritt zu vermitteln, dass die Gefahr vorbei ist. Die Therapie beginnt fast immer mit Stabilisierung und Sicherheit. Patientinnen und Patienten lernen zuerst, ihre Symptome zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Zum Beispiel wird erklärt, warum Herzrasen oder innere Leere normale Reaktionen auf extreme Belastung sind. Praktisch werden Beruhigungsstrategien geübt, etwa bewusste Atmung, Bodenkontakt über die Füße oder Orientierung im Hier und Jetzt, wenn Erinnerungen hochkommen.

Erst wenn ausreichend Stabilität vorhanden ist, wird das Trauma behutsam bearbeitet. Das geschieht in kleinen, kontrollierten Schritten. Erinnerungen werden so angeschaut, dass sie nicht überwältigen, sondern verarbeitet werden können. Dabei wird auch mit belastenden Gedanken gearbeitet, wie „Ich bin schuld“ oder „Ich hätte es verhindern müssen“. Diese werden gemeinsam überprüft und neu eingeordnet. Der Körper wird dabei bewusst mit einbezogen, da traumatische Erinnerungen oft körperlich gespeichert sind.

In einer späteren Phase geht es darum, das Erlebte als Teil der eigenen Lebensgeschichte zu integrieren, ohne dass es das ganze Leben bestimmt. Die Betroffenen stärken wieder Vertrauen in sich selbst, lernen Grenzen zu setzen und sich im Alltag sicherer zu fühlen. Ziel der Therapie ist nicht, das Geschehene zu vergessen, sondern wieder frei leben zu können, ohne ständig im Alarmzustand zu sein.